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Bildhauerarbeiten

 



In voller Wucht des Steins steht dieses Tor im Raum, wie es z.B. beim Abriß von Stadtmauern noch als Relikt im Raum stehengelassen wird, zum Durchschreiten einladend, von West nach Ost, von Ost nach West.
Die Abschrägung an der Toröffnung fordert zum Durchschreiten auf. Der Weg scheint frei. Dennoch - ein Hindernis erschwert das Gehen. Der Durchlaß ist da, aber der freie Weg ist noch steinig.

"Tor"
Türkischer Marmor
253 x 156 x 30 cm



Über das Tor

Am Brunnen vor dem Tore,
Da steht ein Lindenbaum.


Mit wenigen Zeilen beschrieb der romantische Dichter Wilhelm Müller aus Dessau zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts eine typische städtebauliche Situation der damaligen Zeit: Der Brunnen, das Tor und die Linde laden einen Wanderer zum Bleiben, zum Träumen ein. Doch dem Wandersmann fehlte die Ruhe, er durchschritt das Tor und entfernte sich von jenem Ort.

Im Übergang von einem Ort zum anderen markiert ein Tor in seiner architektonischen Dominanz meist eine Grenze zwischen zwei Gebieten: Sei es das Tor einer Stadt als eine Abgrenzung gegen das Land oder das Tor einer Burg als eine Schutzvorrichtung gegen feindliche Eindringlinge. So ist im allgemeinen Sprachgebrauch mit dem Wort Tor weniger die Bezeichnung für den Eingang in ein Bauwerk gemeint, sondern eher der Durchlaß in eine Umhegung, also in einen schutzwürdigen Bereich. Doch auch diese wort-ursprüngliche Bedeutung hat sich längst gewandelt, indem das Tor zum Symbol einer herrschenden politischen Macht oder einer historischen Epoche geworden ist. Als zwei Beispiele hierfür stehen der Arc de Triomphe in Paris und das Brandenburger Tor in Berlin.

Vor allem das von dem schlesischen Baumeister CarI Gotthard Langhans in den Jahren 1788 bis 1791 erbaute Brandenburger Tor ist zu solch einem symbolträchtigen Träger vielschichtiger Machthaberschaften, politischer Verwerfungen und gewalttätiger Ereignisse geworden: Sämtliche Abschnitte der deutschen Geschichte seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts, nämlich von der Monarchie, über die Weimarer Republik, dem Faschismus, der Besatzungszeit, der deutschen Teilung bis hin zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik haben in diesem Bauwerk ihr jeweiliges markantes Wahrzeichen gefunden - die epochalen Bilder um das Brandenburger Tor können ohne Mühe aneinandergereiht werden.

Von dem Gedanken an die beschriebene Symbolik ist der Kasseler Bildhauer Gunnar Ravn ausgegangen, als er seine Skulptur für das Bildhauer-Symposion zum Thema Ost-West konzipierte. Das dreiwöchige Symposion hat das Natursteinwerk Thust anläßlich ihres Firmenjubiläums veranstaltet, und Gunnar Ravn gehörte zu dem Kreis von elf Bildhauern aus Ost- und Westdeutschland, die im Sommer 1994 auf dem Werksgelände in Balduinstein eine Begegnung im Stein suchten.

Sein Tor, das jetzt eine Höhe von 253 cm, eine Breite von 156 cm und eine Stärke von 30 cm hat, sägte und schlug Gunnar Ravn aus einem einzigen Marmorblock: künstlerische Intention und technisches Umsetzungvermögen paarten sich zu einer gemeinsamen Leistung, wodurch die massige Wucht und die beeindruckende Gestalt des Blockes erhalten blieb und ein kraftvoller Ausdruck der Skulptur gelingen konnte. Zugleich wird der Blick des Betrachters über die Abschrägungen, über die Fasen zur eigentlichen Offnung gelenkt. Und in dieser Sicht, wenn die andere Seite ins Blickfeld tritt, dann bekommt das Tor eine bildnerische Leichtigkeit, die auch von den im Durchgang liegenden Hindernissen nicht gestört werden kann. Der Übergang bleibt durchlässig...

Text von Jürgen Engel


        
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